Bergsteiger

„Hat man einen großen Berg erklommen, stellt man meist fest, dass es noch viele andere gibt, die erklommen werden wollen.“
Nelson Mandela

Nelson Mandela’s Lebenswerk ist Vorbild, Beispiel und Inspiration. Wichtige Erkenntnisse daraus können Orientierung geben für jede(n), der/die auch „Spuren“ hinterlassen will und ein authentisches und erfülltes Leben führen möchte. In diesem Beitrag benenne ich die Bedeutung unseres Umganges mit dem Phänomen Spannung und Stress. Im ersten Beitrag habe ich die Bedeutung unserer Antwort auf die Frage nach dem Sinn beleuchtet. (1) Dem Thema Zivilcourage widme ich den letzten noch folgenden Beitrag. 

 

Erkenntnis 2:
Ausdauer und das Aushalten von Spannung als Grundlage eines erfüllten Lebens

18 Jahre Haft unter demütigenden Bedingungen in einer kargen Gefängniszelle sind eine verdammt lange Zeit. Sie sollten den Inhaftierten brechen. Mandela haben sie noch stärker und entschlossener werden lassen.

Auch die 3096 Tage, mehr als 8 Jahre, die Natascha Kampusch, eine bei ihrer Entführung 10 jährige Österreicherin, in der Gewalt ihres Peinigers verbringen musste, sind gefühlt eine Ewigkeit. Auch Kampusch hat ein erstaunliches Maß an Selbstbewusstsein und Kraft aus ihrem Martyrium geschöpft. In der Öffentlichkeit wurde sie dafür leider eher angefeindet.

Beide Lebensschicksale zeigen, was ich in meiner Arbeit immer wieder beobachten kann:
Menschen, die gelernt haben, Widrigkeiten, Spannungen und auch große Prüfungen zu ertragen, ohne dabei aufzugeben, werden dafür belohnt. 

Es ist nicht der äußere Stress, der über Erfolg oder Misserfolg in unserem Leben entscheidet. Entscheidend ist, wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen!

Die Falle von Komfort und Bequemlichkeit
– Der Mäusespeck-Marshmallow Test –

In der beeindruckenden ARD-Doku „Die Macht des Unbewussten“ wird am Beispiel einer Längsschnittstudie gezeigt, wie Kinder, die auf einen kurzfristigen Lustgewinn verzichten, um ein zusätzliches Marshmallow zu erhalten, in ihrem späteren Leben glücklicher, erfolgreicher und gesünder sind. (2)

Auch zahlreiche andere empirische Studien belegen diesen Zusammenhang.

In meiner täglichen Arbeit mit Menschen erlebe ich immer wieder, wie wenig dieses grundlegende Wissen Eingang in unser eigene Kenntnis um Gesundheit und Krankheit genommen hat. Es scheint, wir haben diesen Zusammenhang in unserer auf Komfort und Bequemlichkeit ausgerichteten Lebensweise schlicht verdrängt.

  • Wie oft glauben wir, es wäre besser, Stress und Herausforderungen zu meiden und nach einer möglichst bequemen Lösung zu suchen?
  • Wie selten üben wir, Herausforderung und Spannung als Entwicklungsimpuls „auszuhalten“ und zu nutzen?
  • Wo werden wir dazu inspiriert und ermutigt?

Der Lebens-Alltag sieht meist anders aus

  • In der Schule wird unruhigen Kindern eifrig Ritalin verabreicht, statt nach anderen Wegen zu suchen, den verloren gegangen Halt aufzubauen.
  • In der Psychotherapie werden viel zu schnell Medikamente – Antidepressiva, Angstlöser – verordnet, statt Menschen zu ermutigen, an Herausforderungen zu wachsen.
  • Auch dem Stress einer natürlichen Geburt setzen sich immer weniger Mütter aus. Es gibt Hinweise darauf, dass dieses Vermeiden von Geburtsstress sich negativ auf den Umgang mit Spannung und Stress im späteren Leben der so geborenen Kinder auswirken.

Wir glauben oft, wir machten es uns leicht, wenn wir den einfachen, vermeintlich bequemen Weg wählen. Die psychologische Grundlagenforschung weiß hingegen, dass unser Wohlergehen von anderen Zusammenhängen bestimmt wird.

Gesunder Stress – Eu-Stress

Aus der Stressforschung wissen wir, dass es durchaus auch gesunde Formen von Stress gibt. Nach Hans Seyle, einem der Pioniere der Stressforschung, werden sie als Eu-Stress bezeichnet.  Wir erleben ihn dann, wenn wir uns einer Herausforderung mit einer positiven Haltung nähern, wenn wir sie als Aufgabe und Chance betrachten.

Hier zeigt sich, dass die eigene Einstellung und Haltung den Unterschied macht. Anders ausgedrückt:
Ob uns eine Aufgabe und Herausforderung krank macht oder glücklich, bestimmen wir zu einem großen Teil selbst. (3)

Immer wieder erlebe ich, wie erstaunt und erleichtert KlientInnen oder SeminarteilnehmerInnen sind, wenn ich sie darin bestärke, ihre Gefühle schlicht anzunehmen ohne etwas mit ihnen „machen zu müssen“, ohne sie sofort „ändern zu müssen.“ Gelingt dieser Wechsel des eigenen Blickwinkels ist das Problem oft schon ein gutes Stück gelöst.

Der Charme des nächsten Schrittes – ONE Next Step

Verlieren Stimmungen, Gefühle, „negative“ Zustände so einen Teil ihres Schreckens wird es leichter, die notwendigen Schritt zu ihrer Bewältigung zuversichtlich anzugehen.

Statt „Alles“ in Frage zu stellen und nochmal ganz von vorne anzufangen zu müssen – was nach meiner Erfahrung weder möglich noch nötig ist – können wir uns einer schrittweisen, „induktiven“ Lösungsstrategie zuwenden.

Dieses induktive Vorgehen – Schritt-für-Schritt – hat einen zusätzlichen Charme

  • mit jedem Schritt des Weges wachsen Erfahrung, Kompetenz und Selbstvertrauen
  • wir lernen während wir uns bewegen – on the fly – und präzisieren so unsere Lebens-Landkarte ständig weiter
  • uns in etwas zu verrennen oder gänzlich zu verlaufen wird dabei fast unmöglich

In dem von mir geleiteten ONE Next Step – Training (4) ist diese Strategie von Entwicklung und Lernen die Grundlage eines intensiven 9-tägigen Trainings in Lebenskompetenz. Viele der 1500 Teilnehmer, die wir in den letzten 20 Jahren dabei begleiten durften, haben darin gelernt, was Nelson Mandela mit einem plastischen Vergleich beschreibt – das Prinzip Nachhaltigkeit:

„Wenn das Wasser zu kochen anfängt, ist es dumm, die Hitze abzuschalten.“

 

 Vielen Dank, dass Sie mir bis hierher gefolgt sind. 

Ich bin auf Ihre Kommentare gespannt und freue mich, wenn Sie diese Gedanken weiterleiten, so sie diese wertvoll finden. 
Wenn Sie mir auf Facebook oder Twitter folgen, erhalten Sie die nächsten Beiträge automatisch und “frei Haus.”

Für die letzten Tage vor Weihnachten wünsche ich Ihnen alles Gute

Ihr
Markus Klepper

Quellen

(1) http://markus-klepper.de/was-wirklich-zaehlt-was-wir-von-nelson-mandela-lernen-koennen/
(2) http://programm.ard.de/TV/daserste/die-macht-des-unbewussten-/eid_281068251509932
(3) Hans Selye Streß. Bewältigung und Lebensgewinn, Serie Piper 1988

(4) ONE Next Step – Training

Gerne teilen!

5 Responses to Ausdauer und das Aushalten von Spannung – Was wir von Nelson Mandela lernen können – II

  1. Marlene Druckenmüller sagt:

    Danke! Die Beiträge sind spannend und „einleuchtend“. Und schön, so auch Mandela folgen zu können…
    Ich warte schon auf III – Zivilcourage…

  2. Doro sagt:

    Das sind wirklich hilfreiche Anregungen. Gerade wenn es mit dem einfachen positiven Denken so gar nicht zu klappen scheint, gibt es immer die Möglichkeit, Herausforderungen positiv und als Chance zum Wachstum zu bewerten.
    Danke fürs Erinnern!

  3. Anke sagt:

    „… die bequemen Wege sind nur am Anfang asphaltiert …“
    das habe ich mal irgendwo gelesen – und ja, irgendwann kommen Herausforderungen, die gemeistert werden wollen, fragt das Leben, ob wir es wirklich ernst meinen … gut, wenn wir dann schon geübt haben.
    Danke für diesen Blick auf die Dinge!

  4. Karin sagt:

    Das Problem liegt meiner Erfahrung nach darin, wenn man in zu kurzen Abständen „viele Berge zu überwinden“ hat, sprich viele Schicksalsschläge wegstecken soll. Einmal mehr aufstehen als hinfallen usw. wir kennen alle diese Parolen, aber irgendwann sinkt der Energiepegel und die Batterie zum Wieder-auf-stehen bzw. Berge-erklimmen kann nicht mehr bereit gestellt werden. was dann?

  5. Markus Klepper sagt:

    Hallo Karin,

    die Erfahrung, die Sie beschreiben, macht sicher jede(r) in seinem Leben. Oft mehr als einmal.
    Gerade dann, wenn es aus eigener Kraft nicht weiter geht, wenn es gefühlt oder auch real „zu viel“ ist, sind zusätzliche Ressourcen / Kraftquellen notwendig.
    Das können – und sollten (!) – gute Freunde sein, Berater, Begleiter, vielleicht auch professionelle Unterstützung. Die „Ressource WIR“ wie ich sie an anderer Stelle benannt habe. Und / oder auch die Unterstützung durch eine Anbindung an „etwa Größeres“.
    Das kann der individuelle Glaube, das persönliche „Gott- oder Urvertrauen“ sein, auch ohne religiöse Prägung oder eine andere Form in der die Botschaft „Ich kann nicht tiefer fallen als in die Hand Gottes.“ erfahrbar wird. Die Ressource „Das Große Ganze“ wie ich sie an anderer Stelle benannt habe.

    Klug wäre es, hier in „guten Zeiten“ vorzubeugen, damit Mann/Frau in „schlechten Zeiten“ darauf zurückgreifen kann.

    Weitere Hinweise zu den benannten Ressourcen finden Sie in meinem Video zum Thema Potentialentfaltung hier: http://markus-klepper.de/video/ bzw. hier http://www.youtube.com/watch?v=tMK6x1oOIkM

    Danke für Ihren Diskussionsbeitrag.
    Markus Klepper

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